nano-Control, Internationale Stiftung, Information für Mediziner und medizinische Berufe, April 2010

 

Toner und Emissionen aus Laserdruckern - eine ernste Gesundheitsgefahr!

·         Feinstäube können die Gesundheit schwer schädigen. Nach Angaben der EU-Kommission sterben jährlich allein in Europa 266.000 Menschen an Feinstaubbelastungen.  Nach Einschätzung der US-Umweltbehörde gehen von der Innenraumluft die größten Risiken für die Gesundheit aus.

·         Allergien und entzündliche Erkrankungen der Atemwege, der Augen, der Haut, des Magen-Darm- und Urogenitaltraktes nehmen stark zu, doch die Ursachen bleiben oft unklar.

·         Laserdrucker, Laserfax- und -kopiergeräte sind heutzutage fast allgegenwärtig, auch in Arztpraxen, Krankenhäusern,  Kurkliniken und Apotheken.

·         Emissionen aus Laserdruckern belasten die Atemluft von Millionen Menschen mit einem ungefilterten Mix aus Schadstoffen, Feinstäuben und Nanopartikeln. Die Feinstaubbelastungen können die Werte von Hauptverkehrsstraßen erreichen. Bis zu einer Milliarde ultrafeiner Partikel pro Seite können die Geräte ausstoßen.  Bis zu 10 % der emittierten Nanopartikel sind  Zusammenballungen von tonertypischen Metallen und VOC.

·         Toner für Laserdruckgeräte sind Feinstäube aus Mikropartikeln und lungengängigen Nanopartikeln.  Sie sind regelmäßig belastet mit

o        Schwermetallen (Al, Cd, Co, Cu, Fe, Hg, Mg, Sn, Sr, Zn ...)

o        flüchtigen organischen Verbindungen (VOC, wie Styrol, Phenol und Benzol) und

o        Organozinnverbindungen (darunter das ultragiftige und immunsuppressiv wirkende Dibutylzinn!)

·         Die Stiftung nano-Control engagiert sich für gesunde Raumluft, setzt sich für die Erforschung und Beseitigung der Risiken ein und hilft geschädigten Menschen. Schirmherr ist Prof. Dr. med. Georges Fülgraff, Toxikologe und ehemaliger Präsident des BGA und Staatssekretär im BMG a. D. Der Stiftung liegen über 2.200 Meldungen über Erkrankungen durch Toner bzw. Druckeremissionen vor. Dies deutet auf ein immenses Problem.

·         Im Auftrag von nano-Control hat die Universität Rostock Gewebe eines an Lungenkrebs verstorbenen Service­technikers durchgeführt und Tonerpartikel in den Lungenzellen nachgewiesen.

·         Gemeinsam mit dem Freiburger Kreis, einem Zusammen­schluss von Experten aus über einem Dutzend namhaften Instituten, wurde ein Proposal für eine humane Expositions­studie vorgelegt. Im Vorfeld der Studie hat nano-Control Untersuchungen an Instituten in drei Städten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind alarmierend.

o        Toner und Emissionen wirken gentoxisch auf humane Lungenzellen. Dies ist eine Ursache für Krebs.

o        Patienten reagieren schon nach 30 Minuten mit signifikant erhöhtem oxidativen Stress und typischen Beschwerden

Die US-Umweltbehörde EPA wusste es schon 1995: „Von der Innenraumluft gehen die größten Risiken  für die nationale Gesundheit aus.“ Sie verwies dabei auf eine skandinavische Studie, bei der  im Prüfkammertest gesunde Probandinnen auf die Emissionen von Laserdruckgeräten mit Reizungen der Atemwege, der Augen, der Haut und Kopfschmerzen reagierten.

Dieses Beschwerdebild deckt sich mit den Ergebnissen der sog. Toner-Pilotstudie der Universität Gießen, die 2006 im staatlichen Auftrag durchgeführt worden war. Die Studie hat erstmals die Emissionen der Geräte und die Gesundheit der Bürobeschäftigten unter realen Bedingungen untersucht. Sie kam zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der 63 untersuchten Drucker schon nach einem Druckauftrag die Raumluft signifikant mit Feinstäuben und ultrafeinen Partikeln belastet. Auch erhöhte Belastungen mit flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC, Benzol und Styrol) wurden gemessen. Es wurden Feinstaubbelastungen von bis zu 250 µg/m3, dem Fünffachen des EU-Außengrenzwertes, gemessen sowie Spitzenbelastungen mit ultrafeinen Partikeln von bis zu 250.000/cm3. Neueste Messungen der Bundesanstalt für Materialprüfung ergaben sogar Belastungen der Raumluft mit bis zu einer Milliarde Partikel pro Seite! Im Rahmen einer Ergänzungsstudie zur Toner-Pilotstudie wurden die Partikel erstmals qualifiziert. Bis zu 10 % der Partikel konnten als sog. Nanobubbles identifiziert werden, Zusammenballungen  von tonertypischen Schwermetallen und VOC. Diese metallischen Partikel sind lungengängig und können damit wie Trojaner ins Blut und alle Organe gelangen.

Die toxischen und krebserregenden Wirkungen inhalierter Nanopartikel sind durch zahlreiche Studien belegt. Bei den im Rahmen der Toner-Pilotstudie untersuchten Bürobeschäftigten handelt es sich um vollkommen normale Leute, die eher gesundheitsbewusst, selten Raucher, nicht umweltbesorgt und ursprünglich von guter Gesundheit sind und auffällig unter einem typischen Beschwerdebild leiden, das dem Sick-Building-Syndrom entspricht, unter dem weltweit Millionen Menschen leiden, ohne dass die Ursachen geklärt sind. Weitergehende Untersuchungen von elf Probanden aus zwei Bürokollektiven des Öffentlichen Dienstes ergaben bei Zweidrittel ein überempfindliches Bronchialsystem.

Im Vorfeld der Studie berichtete das wissenschaftliche Journal Umweltmedizin in Forschung und Praxis schwerpunktmäßig in acht Beiträgen. Fazit:  Es gibt seit über 15 Jahren aufgrund internationaler Humanstudien wissenschaftlich belastbare Hinweise für Schädigungen von Menschen durch Toner.

Die LGA Bayern, die seit 10 Jahren viele hundert Untersuchungen durchgeführt hat, stellt fest: „Unstrittig ist, dass Laserdrucker während des Druckprozesses flüchtige organische Verbindungen (FOV), Ozon und Tonerstaub emittieren.“ Auch Schwermetalle (v. a. Nickel und Kobalt) werden regelmäßig festgestellt und in zunehmendem Maße die Ultragifte Dibutylzinn und Tributylzinn, das 2008 weltweit für Schiffsanstriche verboten wurde.

DBT wirkt noch toxischer als TBT und v. a. immunsuppressiv, indem es die Glucokorticoid-Rezeptoren blockiert. Dies ergab eine neue Studie von Wissenschaftlern aus der Schweiz und San Diego.

Eine australische Studie bestätigte die Emissionen ultrafeiner Partikel. 40 % der 62 untersuchten Laserdrucker belasteten die Atemluft schon nach einem kurzen Druckauftrag.
17 Geräte von Hewlett-Packard hatten sehr hohe Emissionen. Spitzenwerte entsprachen Zigarettenrauch. Zusammen mit Forschern des WKI Braunschweig wurde 2008 festgestellt, dass die ultrafeinen Partikel überwiegend kein Toner, sondern organischer Natur sind und in der Fixiereinheit entstehen. Auch Flammschutzmittel wurden nachgewiesen. In einer Nachuntersuchung an zwei Laserdruckern von Hewlett-Packard stellten die australischen Forscher fest, dass die Emission ultrafeiner Partikel mit der Erhitzung zusammenhängt und beim Aufschmelzen des Toners auf das Papier entstehen.

Forscher aus Barcelona wiesen 2007 durch einen Provokationstest bei einer Sekretärin nach, dass der Tonerstaub zu Beeinträchtigungen der Stimme, Enge in der Brust, inspiratorischem Stridor und Abfall des Spitzenflusses in der Lungenfunktion führte. Schon 2003 hatten Wittzack et al. bei einer Schulsekretärin den Nachweis geführt, dass Toner Rhinitis und Asthma verursachten.

Eine epidemiologische SBS-Studie aus England an 342 Bürobeschäftigten bestätigt, dass Emissionen aus Druckern und bedruckte Papiere für die Beschwerden verantwortlich sind. Im Tierversuch wurde die krebserregende Wirkung von Nanopartikeln und Feinstäuben, darunter auch Toner, nachgewiesen.

Forscher der Universitäten Gießen und Freiburg haben auf der Tagung der DGPT im März 2008 in Mainz die Ergebnisse zur gentoxischen Wirkung von Tonern auf menschliche Lungenzellen vorgestellt.

Der Stiftung nano-Control liegen über 2.200 schriftliche Mitteilungen von Menschen, darunter Ärzte, Professoren, Ingenieure, Richter, Anwälte, Journalisten und über 170 Polizisten vor, die unter Beschwerden in Verbindung mit der Nutzung von Laserdruckgeräten leiden.

Das Erkrankungsbild entspricht dem Sick-Building-Syndrom mit Reizungen und Entzündungen der Atemwege (85 %), der Augen (42 %) und der Haut (27 %) sowie Kopfschmerzen.  Die Erkrankung, die man als Nanopathologie bezeichnen könnte, beginnt zumeist wie eine Erkältung, die jedoch nicht abklingt. Typischerweise kommt es zu einer chronischen Sinu-Bronchitis mit  asthmatischen Beschwerden und Schädigung der peripheren Bronchien. Besonders häufig und schwer sind stark tonerexponierte Personen betroffen (9 %), wie Servicetechniker. Jeder zehnte registrierte Servicetechniker hat Krebs.

Durch in-vitro-Tests an Mucosazellen der Bronchien und des Enddarms konnten nach Provokation mit Toner und Tonersubstanzen systemische Mastzellreaktionen nachgewiesen werden. Die Betroffenen reagieren spezifisch auf bestimmte Toner und auf geringste Mengen. Die genauen Wirkmechanismen sind noch unklar und werden als toxisch und pseudoallergisch eingestuft. Es handelt sich nicht um Typ-I-Allergien. Zum Teil sind es Typ-IV-Reaktionen. Auffallend hoch ist der Anteil der Metallallergiker, v. a. unter den Frauen (29 %). Bei sensibilisierten Patienten können kurze Raumluftkontakte und sogar tonerbedrucktes Papier genügen, um einen akuten Erkrankungsschub auszulösen. Nickel, Kobalt und andere tonertypische Metalle werden immer öfter in Haaren, Blut und Urin nachgewiesen. Häufig wird ein hyperreagibles Bronchialsystem festgestellt. Die Überempfindlichkeit bildet sich teilweise unter Tonerkarenz zurück. Die Betroffenen  sind nur zu 15 % Raucher und psychisch unauffällig. 70 % erkranken dauerhaft, und jeder Fünfte musste den Beruf aufgeben.

Von 32 im Vorfeld der sog. Tonerstudie untersuchten Polizeibeamten hatte jeder zweite toxisch veränderte Nasenschleimhäute. Die registrierten Verdachtsfälle von Erkrankungen durch Toner sind zweifellos nur die Spitze eines enormen Dunkelfeldes. Bei gezielter Suche wird man in erschreckendem Maße fündig und mit allergologischer Standarddiagnostik (gründlicher Anamnese, Verschlechterung bei Exposition/Besserung bei Karenz, Ausschlussdiagnostik, Testungen in vitro und in vivo) gelingt es,  Fall für Fall zu klären. Das Problem ist insgesamt auffallend herstellerspezifisch. So nutzen 70 % der registrierten Polizisten Laserdrucker von Kyocera.

Das Bundesumweltministerium hatte schon im Juli 2007 die Hersteller aufgefordert, Vorschläge zur Emissionsminderung zu machen. Geschehen ist bisher nichts. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Kernfrage der Wirkung in einem vierjährigen Verfahren nicht aufgeklärt, schließt jedoch Risiken nicht mehr aus und fordert weitere Forschung mit hoher Priorität. Das Bundesgesundheitsministerium nimmt das Problem sehr ernst und hat sich für die Erforschung der Emissionen und Risiken ausgesprochen.

 

Am 28.1.2008 beschäftigte sich der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages in einem Expertengespräch mit dem Problem, zu dem der Vorsitzende der  Stiftung nano-Control als Experte geladen war, ebenso wie zur Innenraumluftkonferenz des Bundesumwelt­ministeriums am 24.6.2009. Die Grünen stellten im Bundestag den Antrag, die Bevölkerung vor Laserdruckern zu schützen.

Die Stiftung nano-Control hat gemeinsam mit dem Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg den Freiburger Kreis initiiert, einen Zusammenschluss von Experten aus über einem Dutzend Instituten, der sich für die Erforschung der Wirkung ausgesprochen und hierzu ein Studienproposal erarbeitet und der Bundesgesundheitsministerin vorgelegt hat. Dort sieht man sich unzuständig, ebenso wie im Arbeits- und Verbraucherministerium. Das Umweltministerium hält es für ausreichend, die Partikel erforschen zu lassen, obwohl sich auch die Innenraumluftkommission der Forderung nach einer humanen Expositionsstudie angeschlossen hat.

Im Auftrag der Stiftung nano-Control hat die Universität Rostock Gewebe eines an Lungenkrebs verstorbenen Servicetechnikers durchgeführt und in den Lungenzellen Tonerpartikel nachgewiesen.

Die Stiftung hat jetzt zur Pilotierung der Expositionsstudie eine erste Untersuchungsreihe an Institute in Hamburg, Essen und Freiburg in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind alarmierend

-          Emissionen aus Laserdruckern wirken  schon nach einer Stunde Druckdauer auf menschliche Lungenzellen gentoxisch und zerstören die Zellen!
Dies ist eine Ursache für Krebs und betrifft jedermann.

-          bei sensibilisierten Patienten allergisch, verursachen nachhaltige Gesundheitsbeschwerden und gefährlichen oxidativen Stress.

-          Die Partikel dringen bis in die menschlichen Zellen ein.

Das Medienecho mit vielen Berichten, z.B.  in Frontal 21, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, und Ärztezeitung war beachtlich.

nano-Control wird mit der Forschungsinitiative 2010 die wissenschaftliche Aufklärung weiter vorantreiben. Zudem wird an einem Diagnostikdesign gearbeitet.

Ärzte sollten Gesundheitsschädigungen durch Emissionen aus Laserdruckgeräten bei der Diagnostik ungeklärter entzündlicher Erkrankungen berücksichtigen und Patienten diagnostisch und therapeutisch unterstützen.

Vorsicht: Laserdruckgeräte gehören aus lufthygienischen Gründen nicht in den Patientenbereich von Krankenhäusern, Kurkliniken und Arztpraxen! Moderne Tintenstrahldrucker sind eine schnelle, gefahrlose und preisgünstige Alternative. Professionelle Filter können Emissionen deutlich reduzieren (F www.sicher-drucken.de), dies hat auch das Umweltbundesamt festgestellt (Telegramm Umwelt und Gesundheit vom 26.3.2010).

Ärztliche Meldepflicht:

Erkrankungen durch Toner sind gem. § 16e Chemikaliengesetz von Ärzten anonymisiert an die Vergiftungsstelle des BfR zu melden (Fax. 030 84123929).

Quellennachweis:
Den Stand der Forschung und alle zitierten Studien finden Sie unter:
http://nano-control.de/informieren.html#K16.  

Beachten Sie auch unseren neuen Flyer für Mediziner, den Sie von unserer Webseite www.nano-control.de herunterladen oder kostenlos unter flyer@nano-control.de anfordern können.

 

 

Service: Weitere Informationen finden Sie unter www.nano-control.de

Spendenkonto: Nr. 302 036 645, BLZ 770 500 00, Sparkasse Bamberg. Die Stiftung ist als gemeinnützig  anerkannt. Spenden sind steuerlich abzugsfähig.

Kontakt, verantwortlich: Hans-Joachim Stelting, Vorsitzender, E-Mail: info[at]nano-control.de